Kion will als erstes Unternehmen in Europa die neue Simulations-Software «Digital Twin Composer» von Siemens nutzen, und sucht damit auch ein Stück Unabhängigkeit vom US-Markt, auf dem bislang NVIDIA die vorherrschende Lösung darstellt, um in intelligenten Lagern die digitale und reale Welt zu verschmelzen.
Der Digital Twin Composer. Abb.: Siemens
Beide Unternehmen haben eine strategische Partnerschaft vereinbart, um Lieferketten und Warenlager mit KI-, Automatisierungs- und Simulationstechnologien zukunftsfähig zu machen. Das Ziel: Komplexe Intralogistikprozesse zu digitalisieren, um sie vorhersehbarer und flexibler zu gestalten – und damit Produktivität und Widerstandsfähigkeit zu verbessern.
Enorme Datenmengen
Dabei erfassen Kameras und Sensoren vor Ort riesige Datenmengen, die von künstlicher Intelligenz (KI) auswertet werden. Die neue Simulationssoftware Digital Twin Composer von Siemens kann – inzwischen heissbegehrt - die verschiedenen Prozesse parallel und in Echtzeit simulieren.
Siemens-Digital-Vorstand C.Neike
Cedrik Neike, Mitglied des Siemens-Vorstands und CEO von Siemens Digital Industries: «Gemeinsam mit Kion (…) wollen wir das Warenlager vom physischen Knotenpunkt zu einem digitalen Nervenzentrum der Lieferkette machen.»
«Damit entwickeln wir unsere Lösungen, die auf digitalen Zwillingen basieren, auf einem neuen Niveau», sagt Kion-CEO Rob Smith. Siemens hatte den Digital Twin Composer erstmals im Januar auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Er hat verschiedene Vorteile.
Kion-CEO Rob Smith. Foto: M.Schmid
Sobald ein Warenlager in Betrieb ist, funktioniert er als Werkzeugkasten, mit dem sich Abläufe laufend verbessern lassen. In Kombination mit der Siemens PLM-Software Teamcenter und digitalen Zwillingen kann Kion damit Logistiklösungen über den gesamten Lebenszyklus steuern.
Schnellere Entwicklungszyklen
PepsiCo hat damit bereits ausgewählte Produktions- und Lagerstandorte in den USA digitalisiert und erzielte dem Vernehmen nach schnellere Entwicklungszyklen, geringere Investitionskosten und die Identifizierung von bis zu 90 Prozent potenzieller Probleme vor der physischen Einrichtung realer Lager-Umgebungen.
Digitalisierung bei PepsiCo. Foto: Siemens/PepsiCo
Mit dem Digital Twin Composer können Industrieunternehmen 2D- und 3D-Daten des umfassenden digitalen Zwillings von Siemens mit physischen Echtzeitinformationen in einer verwalteten, sicheren und fotorealistischen Echtzeit-Szene kombinieren, die auch hier auf NVIDIA Omniverse-Bibliotheken zurückgreifen.
Datenaustausch vereinbart
Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit haben Siemens und Kion zudem eine Vereinbarung über den Austausch ausgewählter Industriedaten geschlossen. Kion bringt dazu Betriebsdaten und Fachwissen aus komplexen Warenlagerumgebungen ein. Damit wollen die Unternehmen die Einführung KI-gestützter Lösungen in Lagerlogistik und Lieferketten beschleunigen.
Zugleich steht die Vereinbarung beispielhaft für datenbasierte Partnerschaften, mit denen Siemens den Aufbau eines «Industrial Foundation Models» vorantreiben will. Es soll industrielle KI künftig über industrielle Prozesse und Domänen hinweg breiter nutzbar machen.

















